Letzter Stammtisch in der Spielzeit 23/24 am 6. Juni

Sechzehn Theater- und Stammtischbegeisterte freuten sich auf einen Abend auf der Terrasse des Costa del Sol. Leider versteckte sich die bzw. der „sol“ rasch, schwarze Wolken zogen auf, entleerten sich und scheuchten uns nach innen. Der freundliche Wirt hat mit Helfern rasch einen großen Tisch zusammengestellt, um den wir uns drängten, tranken, aßen, diskutierten, die vergangene Spielzeit Revue passieren ließen, einfach Freude zusammen hatten. Ein neuer Stammtischgast entpuppte sich als Rosenkavalier, zur Freude des Rosenverkäufers und der beschenkten Damen. Alle waren sich einig, dass sie sich auf die nächste Spielzeit, unsere Angebote und auch auf weitere Theaterfahrten z.B.zu Uli Khuon nach Zürich freuen.

Wir wünschen allen eine schöne Sommerpause!

pro.log zu „Das Bildnis nach Motiven des Dorian Gray“

„Das Leben imitiert die Kunst, nicht die Kunst das Leben“: dieses Zitat von Oscar Wilde wurde zum Dreh- und Angelpunkt des faszinierenden Vortrags von Prof. Dr. Irmtraud Huber, Professorin für Englische Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Sie zeigte auf, in welcher Weise Oscar Wildes Leben und Denken vom Ästhetizismus geprägt war, ja – wie er sich selbst bewusst zum Kunstwerk machte. Dies änderte sich im Zuge seines literarischen Schreibens, und hierfür ist der Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ ein Beleg. Denn aufgrund der homoerotischen Darstellungen im Roman, mit denen Oscar Wilde vor Gericht persönlich identifiziert wurde, bestand jener auf dem Auseinandertreten von Autor und literarischer Figur, also von Leben und Kunst. Die zentralen Fragen Oscar Wildes, die er im Roman bearbeitete, galten daher dem Verhältnis von Leben und Kunst, Wahrheit und Schönheit. So wird Dorian Gray lesbar als reine Projektion der anderen Romanfiguren. Hier ist eine zentrale Verbindung zu dem Stück „Das Bildnis nach Motiven des Dorian Gray“, wo die Fragen von Selbstinszenierung und Authentizitätssehnsucht in ein überraschend neues Licht rücken.

In der anschließenden, lebhaften Diskussion konnten die Mitglieder des Ensembles – Beck, König, Rohde – dem Auditorium so manchen Einblick in die Erarbeitung des Textes und das Werden des Stückes geben. Bliebe noch zu sagen, dass dies die wohl bestbesuchte Veranstaltung in der Geschichte der pro.loge war. „Nichts ist so schön wie ein voller Hörsaal“, kommentierte Heike Brandstädter daher die große Besucherzahl bei der Begrüßung.